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Die Schönheit der Nacht von Nina George

Eintauchen in weibliche, verborgene Tiefen...

 

 

Nina George  

 

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*Alle Zitate aus dem Buch sind im folgenden Blogtext kursiv angegeben.


* In jedem Blick suchen wir das Meer - und in jedem Meer den einen Blick.

Dieses Buch hat mich einerseits tief berührt und gleichzeitig sehr nachdenklich gestimmt. 


Wunderbar tiefe, berührende Gedanken, Gefühle und Sehnsüchte, die "Frau" wie einen unterirdischen Fluss still und ungehört begleiten und hier - Dank Nina George - durch die beiden Protagonistinnen Claire und Julie eine "glaubwürdige" Sprache finden.

 

Auf der einen Seite ist da Claire, die mit 45 Jahren an einer Art Wendepunkt steht, ohne es selbst zu wissen. Der Sohn erwachsen, beruflich alles erreicht, in der Partnerschaft eingerichtet in Gewohnheit und funktionierendem Nebeneinander. Darunter erwachen Sehnsüchte, welche sie nicht einordnen kann und die sie irritieren.

 

Auf der anderen Seite Julie, erst 19 Jahre und gerade dabei, ihre Träume, Sehnsüchte und Ängste in die verborgene Kiste in sich zu verbannen, um sich ins Heer der Frauen dieser Gesellschaft einzureihen und  nicht aus dem Rahmen zu fallen. Auch sie ist sich dessen nicht bewusst. Es passiert "einfach". 


Ja, es gab so vieles zu wagen.

Ich will leben!

(...)

Ich will mich nicht fügen, genügen, ich will mich nicht zusammenreissen, um gemocht zu werden!

(...)

Diese Unruhe. Brennende Unruhe, das Meer verlor sich im Rausch von Bewegung und Kraft, es schlug die ganze Zeit ans Ufer, wieder und wieder.

Julie heftete ihren Blick auf die Umrisse einer Insel mit einem Leuchtturm. Atmete ein und aus.

Das Meer.

Es war so ... 

Wie ich?, dachte Julie.

und genau so schwer zu ertragen, das Meer in mir, wie es immer wieder rollt und fragt und will. Und will. 

Wie war es möglich, so nah am Meer zu leben, so nah, als sei man drin, und niemals hörte es auf, diese Bewegung, nirgends konnte der Blick sich festhalten. Es gab keinerlei Schutz mehr vor all dem Wollen und Sehnen. Und der Angst. Dass es niemals passierte.


Die Begegnung von Claire und Julie rüttelt und weckt in beiden etwas wach, das ihnen einen Weg zeigt, sich selbst zu leben und dennoch Teil der Gesellschaft zu bleiben. Ich kann jetzt schon verraten: das Ende ist total unerwartet. Die Autorin setzt die Kunst der Wendepunkte toll ein. 

 

Das Buch fasziniert mich einerseits, weil es die Suche dieser unterschiedlichen Frauen - nach dem Kern ihres Lebens und warum es in unserer Gesellschaft noch immer so schwierig ist, eigene Wege wirklich zu gehen und nicht nur davon zu träumen - stimmig und glaubwürdig nachzeichnet. Andererseits beschönigt es nichts und dennoch ist es weder "mitleidig" noch tragisch.

 

Die Autorin erzählt Begebenheiten schlicht, gekonnt, sprachlich vielschichtig und authentisch. Dadurch ist es für mich ein einfaches, mich mit beiden Figuren zu identifizieren, mich selbst zu fragen, ob es Zeit ist, mich auf meinen Weg zu begeben und mich vom Inhalt des Buches "verwandeln" zu lassen.

 

Gut gelöst finde ich auch, wie Nina George die inneren Gedankengänge der Protagonistinnen ins Geschehen einflicht und dadurch den Figuren "Tiefe" verleiht. Unten im Text violett, da sie im Original kursiv geschrieben sind.)

 

Nebenbei bemerkt: die Themen von Claire und Julie (und auch der vorkommenden Männer im Buch) sind altersunabhängig und gelten aus meiner Sicht in irgendeiner Form für viele Frauen. Daher wäre es sicher auch für Männer spannend, einen Einblick hinter die "Kulissen" zu wagen ;-) 


*

Wie viele Frauen ist eine Frau?

und wie viele Jahre fliessen davon, bis eine Frau das Eigene gefunden hat? und hat die Zeit dann noch eine Nische für das, wer sie wirklich ist, für ihre Pläne, ihre Gedanken, für den Reichtum ihrer Fähigkeiten - oder ist die Zeit zugeziegelt mit den Dingen, die sie tagtäglich tut und tun muss? Dem Alltag kaum zu entkommen, dem Kerkermeister der nur im Inneren freien Frau, die putzt, arbeitet, kocht, einkauft, sich sorgt, eine Sisiphyna. 

 

(...)

 

Wie oft hatte sie seitdem die Wahrheit vermieden?

"Und du, Julie?" flüsterte Claire in den Garten hinein.

Wirst u dich eines Tages zu erkennen geben? Wirst du eine Ahnung davon haben, wer du bist und was du sein kannst, und welche Entscheidung wirst du dann treffen? Dich weiter zu verheimlichen der dich u offenbaren?

Julie schlug die Augen auf. Sie sah Claire direkt an. 

"Was denken Sie gerade, Claire?", flüsterte sie. "Sie sehen so traurig aus."

"Über die Dinge, die wir selbst entscheiden, und über die Dinge, die andere für uns entscheiden", antwortete Claire mühsam... 


Natürlich wäre es einfach, der Gesellschaft die Schuld zu geben, die Frauen anscheinend nur diese eine Rolle der gefälligen und gefallenden, wohlfunktionierenden und unauffälligen Mutter / Partnerin / Arbeitenden / Freundin ermöglicht. 

 

Ich vermute, das ist zu einfach. Es gibt etwas in uns Frauen, dass sich dafür zur Verfügung stellt - vielleicht ist es das Gefallen wollen, vielleicht das geringere Vorhanden sein des Hormons Testosteron, welches kämpferisch seinen Weg geht ;-)

 

Doch wenn man genau hinschaut, erfüllen auch die Männer in unserer Gesellschaft oft erwartete Rollen, müssen gut Funktionieren und Begraben dafür ihre Träume, ihren Wesenskern irgendwo im Innern. Im Endeffekt ist es vermutlich bei jedem Mensch etwas anderes, was ihn verführt, seine Träume und Sehnsüchte zu begraben und in der sogenannten "Komfortzone" zu leben. 

 

Daher finde ich dieses Buch lesenswert - und stelle es hier vor - da wir in einer Zeit leben, in der viele Menschen einen Weg zu sich selbst suchen, ohne dabei als Rebellin, Emanze, Deserteur oder Weichei zu gelten. Einen Weg, der nicht ins Alleinsein oder Eremitentum führt (ich kann nur mich selbst sein, wenn ich die andern ausschliesse und nicht mehr mitmache), sondern zu Gleichgesinnten und dazu, ein Teil der Gesellschaft zu sein, die zu Individualität und Einzigartigkeit einlädt. 


* Wie ist das, zu lieben, 

Wie fühlt sich das an, geliebt zu werden,

woher weiss man, dass es wahrhaftig ist,

und ist das das Glück, 

oder gewöhnt man sich daran?


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