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Wie und wo kommst Du ins Schreiben?

Gedankeninputs und Tipps

Auszug aus dem Vortrag von Lorena Gmür (Kidsclub), welche folgendes Buch geschrieben hat. 

 

 

"Am besten schreibe ich drinnen an einem Tisch. Ich schreibe immer kleine Abschnitte, also etwa eine oder zwei Seiten täglich. Ob ich mittags, nachmittags oder am frühen Abend schreibe, spielt keine Rolle. Damit ich in die Geschichte eintauchen kann, darf die Lautstärke in meiner Umgebung zwar normal sein, doch wenn mich jemand anspricht oder Musik ertönt, dann reisst es mich aus der Szene. Auf dem Computer kann ich viel weniger schnell und auch weniger flüssig schreiben. Deshalb entstehen meine Geschichten auf dem Papier."

 

Text & Illustration: Lorena Gmür


Im Prinzip hat Lorena bereits das Meiste erwähnt. Manche brauchen Umgebungsgeräusche wie im Café, am Bahnhof oder im Zug. Sie schätzen, wie dabei die Landschaft vorbei zieht oder Leben um sie herum stattfindet, welches sie beobachten und einfangen, vielleicht auch nur im Hintergrund als pulsierenden "Rhythmus" wahrnehmen. Das Empfinden beobachtet zu werden spornt an - zumindest mich. Der vermeintliche Beobachter von Aussen, der gefühlt das Schreiben und vor allem das "Nicht-Schreiben" bezeugt und zu Schreibdisziplin verführt. 

 

Andere schreiben am liebsten im Bett oder an einem sonst ruhigen, vielleicht kuschelig stillen Ort - Mein Plätzchen mit Fell und Decke unter der Treppe kennen einige von euch -  oder in einer gemütlich eingerichteten Fensternische mit Blick in die Natur oder auf die Strasse. 

 

Wieder andere schreiben sitzend am Pult - die einen brauchen hierfür Chaos und einen Blick ins Freie, die andern eine leere Schreibfläche, gar die weisse Wand vor Augen.

 

Einige haben die besten Ideen in der Natur, im Wald oder am Gewässer, beim kontemplativen Sitzen oder Spazieren und Wandern. 

 

Hilfreich ist, wenn Du stets ein kleines Heft und Stift für spontane Ideen und gelungene Sätze dabei hast. Auch, um Eindrücke, Sinneswahrnehmungen (Geräusche, Gerüche, etc). und Atmosphären von Orten einzufangen. Um Begegnungen, Situationen und Beobachtungen festzuhalten, für Figuren, die Dir auffallen und in Dein Werk einfliessen könnten. 

 

Hilfreich sind sicher auch Rituale, die sich in der Regel etablieren. Du kannst sie Dir jedoch auch vorgeben - Achtung, wenn Du zu viel auf einmal von Dir erwartest, verlierst Du meist rasch die Lust aufs Schreiben. Hier helfen kleine Schritte oft mehr (wie z.B. die 10 Minuten Schreibübung zu einem gewählten Thema).  

 

Manchmal hilft es, statt zu brüten und nachzudenken, etwas "Alltagskram" zu erledigen, wenn der Fokus dabei auf die Geschichte, das Schreiben gerichtet ist. Das unterstützt Dich dabei, die Gedanken zu ordnen und in den Schreibprozess einzusteigen, was vor allem daran liegt, dass sich die linke und rechte (rationale und kreative) Gehirnhälfte verbinden - wie auch beim Malen (die meisten Kinder malen neben dem Schreiben und Zuhören im Kidsclub), dem Duschen, Spazieren, Putzen, Kaffee machen Musizieren etc. 

 

Hast Du für Dich schon raus gefunden, wie und wo Du am besten ins Schreiben kommst? Hilft es Dir beim Schreiben Musik zu hören, um einen Schreibrhythmus und Konzentration zu erlangen? Inspiriert Dich je nach Text andere Musik? Schreibst Du am liebsten in der Nacht oder ganz früh am Morgen, wenn diese funkelnde Stille über allem liegt? 

 

Vermutlich gibt es nicht den ultimativen Tipp, die anwendbare Lösung, denn der kreative Prozess ist persönlich und individuell. Ausprobieren, Erfahrungen sammeln und nicht aufgeben, obwohl "es" sich manchmal weigert, führen vermutlich am ehesten ans gewünschte Ziel. 


 

Wer bei mir im Kurs war, erinnert sich vielleicht, dass Friedrich Schiller faulende Äpfel in der Schublade brauchte, denn ohne diesen Geruch konnte er sich nicht aufs Schreiben konzentrieren. 

 

Franz Kafka turnte jeden Tag nackt vor dem offenen Fenster und ging danach eine Stunde spazieren. Da er in sehr beengter Situation lebte und tagsüber in einer Versicherung arbeitete, schrieb er meist nachts, wenn alle schliefen.

 

Viele Autoren haben eine feste Schreibzeit, an die sie sich halten. Oft sind es zwei bis drei Stunden. Agatha Christie stahl sich, wenn es ihre Familienpflichten zuließen, für eine halbe Stunde ins Schlafzimmer und tippte so ihre Werke. Andere schreiben eine gewisse Anzahl Worte am Morgen, überarbeiten am Nachmittag und recherchieren oder lesen am Abend. Hier werden sie durch die Wiederholung und Gewohnheit unterstützt, welche Schreibroutine weckt.

 

Patricia Highsmith trank vor dem Schreiben einen starken Drink, um den Schreibfluss anzuregen. Viele Autoren versuchten die Muse durch Alkohol und Drogenkonsum zum Kuss zu verführen. Heute weiss man zum Glück viel mehr über kreative Prozesse und auch, dass diese Methode nur bedingt hilfreich ist ;-)

 

Und, Schreiben kann auch lustvoll sein, Freude und Spass bereiten, was ich Dir von Herzen wünsche!


Und was sind Deine "Tricks"? Verrate sie uns doch im Kommentar unten:

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Monica (Donnerstag, 30 August 2018 09:13)

    Oft ist ja die Zeit zu knapp, wenn man arbeitet und andere Verpflichtungen hat, aber ich habe mir da etwas angewöhnt. Jeden Tag stelle ich mir den Timer auf 15 Minuten und schreibe. Reicht die Zeit später dann noch für mehr, ist das toll, wenn nicht habe ich doch wenigstens 15 Minuten geschrieben.

  • #2

    Karin K. (Donnerstag, 30 August 2018 13:13)

    Wie ich festgestellt habe, fliesst es bei mir sehr gut, wenn ich in einem schmucken Restaurant oder in einer hübschen Bar sitze mit einem Glas Wein - dieses Eine genügt auch völlig, da es für mich das "Geniessen" symbolisiert. Oder ich stehle mich über Mittag aus dem Geschäft fort in ein Kaffee, und mache da ein Schreibjogging. Das funktioniert immer und hat mir gerade kürzlich sehr geholfen. Wenn ich wirklich Ruhe habe, gelingt mir dies auch ab und zu zu Hause, jedoch sind die beiden erstgenannten Varianten sehr viel erfolgsversprechender und schenken mir zudem ungemein viel Freude :-)

  • #3

    Verena Reh Samstag, 8. September 2018 (Samstag, 08 September 2018 13:52)

    Ich muss die Laune zum Schreiben haben, sonst wird es nichts Richtiges. Manchmal gelingt es mir, mich in die Laune zu pushen, leider nicht immer. Wenn ich die Laune habe und in Flow komme kann ich fast nicht mehr aufhören und vergesse Zeit und Stunde. Ich habe gemerkt, dass auch das nicht gut ist für mich, weil ich nachher völlig fertig und verspannt bin. So bin ich jetzt dabei, mich soweit zu disziplinieren, dass ich zum Beispiel eine Stunde schreibe, und dann wieder etwas mache mit Bewegung. Das würde am besten funktionieren und macht auch Spass.

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