Spätes Geständnis

Als Kommissar Panagiotidou endlich am Tatort eintraf, waren die Leute von der Spurensicherung und der Pathologe mit ihrer Arbeit fast fertig. Letzterer wartete bereits ungeduldig auf sein Eintreffen. Da es letzte Nacht durchgehend geschneit hatte, musste er sein Auto erst freischaufeln bevor er losfahren konnte. «Was haben wir hier?», wandte er sich fragend an den Pathologen. «Männliches Opfer. 62 Jahre alt. Im gehört das Haus. Todesursache – Schussverletzung. Tatwaffe ist eine 9mm Sphinx. Den genauen Todeszeitpunkt kann ich dir erst nach der Obduktion sagen. Er liegt dort drüben in der Bibliothek. Wie es aussieht, fand vor seinem Tod ein Kampf statt.» «Hmmm.» Pi, so wurde er von allen kurz genannt, brummte missmutig vor sich hin. Er hasste es, so kurz vor Weihnachten einen Mord aufklären zu müssen. Aber anscheinend machte das Modell Schule, denn die Menschheit schien seit ein paar Jahren völlig ausser Rand und Band geraten zu sein. Es war dies bereits das dritte Jahr in Folge, dass jemand in der ach so heiligen Adventszeit, durch Fremdeinwirkung ums Leben kam. Pi betrat die Bibliothek. Der Pathologe hatte nicht gelogen. Abgesehen von dem Toten, stach ihm als erstes das Chaos ins Auge. Ganze Regale waren leergeräumt und die daraus entrissenen Bücher lagen in einem wilden Durcheinander am Boden. Pi schaute sich im ganzen Raum um. Dabei entdeckte er ein Buch, dass unter dem massiven Ohrensessel lag. Er zog sich Handschuhe an, bevor er es unter dem Sessel hervorzog. Es schien gerade so, als wäre es bewusst dort hingelegt worden. Das Buch trug den Titel ‘Spuren im Schnee’.  Ein Buchzeigen lugte daraus hervor. Pi schlug die Seite in der es steckte auf und fing an zu lesen. Plötzlich stutzte er. Ein Wort war mit einem Leuchtstift markiert worden. Geheimnis! Das hatte bestimmt etwas zu bedeuten. Aber was? Er wollte das Buch gerade schliessen, als ihm etwas Merkwürdiges auffiel. Auf dem Buchzeichen waren Zahlen vermerkt. Das konnte nun wirklich kein Zufall mehr sein. Jetzt galt es herauszufinden, was die Zahlen und das markierte Wort zu bedeuten hatten. Er schaute sich suchend in der Bibliothek um. Da entdeckte er ein winterliches Gemälde, das an der gegenüberliegenden Wand hing. Darauf waren im Hintergrund ein Haus und ein paar Pappeln zu sehen. Vor dem Haus standen zwei Menschen, die sich an den Händen hielten. Pi ging langsam auf das Gemälde zu. Als er direkt davorstand, stiess er einen erstaunten Pfiff aus, denn beim genaueren Betrachten sah er noch etwas. Es führten Spuren vom Haus direkt zwischen den Pappeln hindurch wo sie sich allmählich verloren. Das Bild stellte exakt die Szene dar, die er davor im Buch gelesen hatte. Das konnte nun wirklich kein Zufall mehr sein. Er hob das Bild leicht an und seine Vermutung bestätigte sich. Dahinter war ein Wandsafe versteckt. Er nahm das Buchzeichen und tippte die darauf stehenden Zahlen in das Zahlenschloss ein, drückte Start und der Safe öffnete sich. Im Safe lagen ein paar Uhren und ein Stapel Papiere. Die Uhren liess er liegen, ihn interessierten nur die Papiere. Er nahm sie deshalb an sich und marschierte zielstrebig aus der Bibliothek, durch den langen Eingangsbereich bis zur Haustüre. Bevor er das Haus verliess, gab er den herumstehenden Beamten ein paar Anweisungen. Danach lief er schnell zu seinem Auto und merkte erst, als er bereits darinsass, dass er vor lauter Anspannung vergessen hatte zu atmen. Hastig zog er den Packen Papier, den er zuvor zum Schutz vor Nässe in den Mantel gestopft hatte, daraus hervor und begann zu lesen. Er wusste nicht wie lange er schon im Auto gesessen hatte, als plötzlich jemand an die Scheibe klopfte. Pi erschrak. Als er sah, dass es ein uniformierter Polizist war, öffnete er das Fenster. «Sir?» Es musste ein Frischling sein, denn ausser denen nannte ihn sonst keiner Sir. Für die anderen war er einfach nur Pi. «Ja?», knurrte er, wütend abgelenkt worden zu sein. Dieser Jüngling hatte hoffentlich einen guten Grund ihn zu stören. «Sir, wir sind jetzt fertig. Sie haben darum gebeten, dass wir ihnen Bescheid geben, bevor die Leiche abtransportiert wird.» Das hatte er tatsächlich. «Ich komme gleich. Bitte warten sie solange mit dem Abtransport. Ich möchte mir den Leichnam noch einmal genau ansehen.» «Alles klar, danke Sir.» Pi stieg aus dem Auto. Seine Glieder waren steif vor Kälte. Er fragte sich, wie lange er im Auto gesessen und gelesen hatte. Schnell lief er ins warme Haus und die Bibliothek zurück. Dort zog er sich erneut Handschuhe an und kniete sich vor die Leiche hin. Es bestand überhaupt kein Zweifel. Vor ihm lag Pete Dee, die rechte Hand des Mafiabosses Russo, dessen einzige Tochter Loredana vor 35 Jahren verschwunden war. Russo war überzeugt, dass Pete seine Tochter ermordet hatte. Da die Leiche nie gefunden wurde, konnte ihm der Mord nicht nachgewiesen werden. Pete verschwand nach dem Prozess spurlos. Sein spätes Geständnis hatte Pi gerade gelesen und wusste daher auch, wo er dessen Mörder zu suchen hatte.

 

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