Schreibspass - Online

Das etwas andere Schreibjogging

Schreibimpuls für zu Hause

 

Die neuen Schreibimpulse werden jeweils per Newsletter verschickt. 

 

Der Text sollte max. 5000 Zeichen (mit Leerzeichen) umfassen. Den Einsendeschluss findest Du jeweils unter der Schreibidee. Im Laufe des nachfolgenden Tages werden die Texte online gestellt.

 

Die eingereichten Texte werden bis zum Einsendeschluss der neuen Texte auf dieser Seite zu lesen sein, so dass Du sehen kannst, wie andere den Schreibimpuls umgesetzt haben. Du kannst unter Deinem Namen oder auch Anonym veröffentlichen. Sobald die neuen Texte online gehen, werden die alten gelöscht (auch in meinem Compi).


Neu

Du möchtest gern ein Feedback zu Deiner Geschichte?

Sende mir Deine Fragen und bestimme dadurch, worauf ich achten soll.

 

Eine kleine Auswahl möglicher Kriterien:

  • Ist die Geschichte glaubwürdig?
  • Der Handlungsverlauf nachvollziehbar?
  • Sind die Figuren "sichtbar"?
  • Fehlt etwas, oder ist etwas zu viel drin?
  • Zu viel Telling oder Showing?
  • oder...?

Grammatik & Orthografie werde ich nicht beachten ;-) 

 

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Schreibimpuls 22.12.18

Entweder

Schreib' eine Geschichte in der folgende Worte vorkommen: 

Glühwein (oder: Kakao / Sekt / Champagner) / Berge / Eisenbahn / geheimes Geschenk


Oder

Schreibe' eine Geschichte, in der es um einen oder mehrere der folgenden Themen geht:

  • Wunder
  • Magie
  • die Rauhnächte
  • ein Weihnachtsbrauch
  • ein Silvesterbrauch
  • Geister und ihre Geheimnisse

Raphael lässt seinen Rucksack mutlos fallen und setzt sich mit einem tiefen Seufzen auf einen Stein.
Sein Blick ist leer. Es ist noch früh an diesem 31. Oktober, der Morgennebel ist zäh, die Temperaturen tief. Der schmächtige, blonde 13-Jährige denkt zurück, wie sich sein Vater vor wenigen Minuten verabschiedet hat. Noch einmal spürt Raphael die ganze Hoffnung, die sein Papa in die Umarmung gelegt hat.
«Du packst das», hatte dieser aufmunternd gemeint. Doch Raphael ist sich dessen gar nicht sicher.
Warum ist es eine Ehre, Schnappesel zu werden? Und warum ausgerechnet ich? Und wozu brauchts eine  Aufnahmeprüfung? Er kennt die Antwort, es ist immer dieselbe: Weil sein Vater der Vorsitzende der Silvesterchlaus-Gesellschaft Wald ist.

Sieben Paare, bestehend aus einem Silvesterchlaus und einem Schnappesel, ziehen von den umliegenden Weilern bis zum Abend zum Walder Dorfkern und wünschen auf ihrem Weg allen ein gutes neues Jahr.
Der Silversterchlaus trägt dazu einen schönen Wams, einen farbigen Lichterhut und um die Hüfte einen Glockenkranz, dessen Geschelle Glück bringen soll. Der Schnappesel bleibt verborgen unter einem Leintuch und trägt eine Eselmaske, bei der er den Kiefer laut zuschnappen lassen kann. Dazu vollführt er einen wilden Tanz, der Böses vertreibt. Vor zwei Wochen hatte Raphaels Vater verschwörerisch erklärt, dass zwei Kandidaten sich der Schnappesel-Aufnahmeprüfung um den überraschend frei gewordenen Platz stellen werden. Raphael und – Tobias. Ausgerechnet der Schnellste, Grösste und Stärkste  ihrer Klasse. Und dazu ein Grosskotz. Und auch die Prüfung hat es in sich: 24 Stunden. Allein. Ohne Handy. Und ohne Essen.

Raphael befindet sich am Mondmilchgubel, einem überhängenden Felsen mit einer improvisierten Feuerstelle. Am liebsten würde er nach Hause und seinem Vater erklären, dass er nicht zum Schnappesel tauge. Aber das kann er ihm nicht antun. Und Tobias, diesen aufgeblasenen Angeber, will er nicht kampflos gewinnen lassen. Und erst recht wegen Melanie, dem hübschesten Mädchen der gesamten Schule, muss er durchhalten bis morgen früh. Wenn er als gefeierter Held zurückkehrt, hat er bestimmt genug Mut, sie endlich anzusprechen.

Mit Streichhölzern und einigen herumliegenden Ästen entfacht er ein kleines Feuer. Danach versucht der Junge, genügend trockenes Holz zu sammeln und füllt leere Pet-Flaschen mit Wasser aus der unter ihm fliessenden Töss. Zur Mittagszeit beginnt sein Magen in Erwartung einer Mahlzeit zu knurren. Doch nichts zu essen, ist Teil der Prüfung. «Die halbe Welt hat Hunger», denkt Raphael trotzig, «das wird auch mir nicht schaden». Stattdessen vertreibt er sich die Zeit mit Bäumezählen, doch spätestens bei 350 wird der Wald so dicht, dass er sich dauernd verzählt und das Spiel frustiert aufgibt.

Am Abend meldet sich Raphaels Magen noch fordernder. Mehr als Wasser liegt aber nicht drin. Als Trost denkt er sehnsüchtig an Melanie und stellt sich vor, wie ihre langen blonden Haare im Wind tanzen, wie ihre Augen strahlen und wie sie ihn anlacht. Wie gern wäre er jetzt bei ihr. Wo es warm ist. Und wo es zu essen gibt. Die Temperatur fällt, es beginnt zu regnen und der Junge zieht seine Jacke enger um sich.

In stockfinsterer Nacht steht plötzlich ein Fuchs im kleinen Lichtkegel. Die beiden blicken einander wie gebannt in die Augen, ehe das Wildtier langsam weiter trottet.
«Gibts hier Bären?» durchfährt es Raphael heiss. «Hätte mich Papa dann hier ausgesetzt? Und was ist mit Luchsen?» fragt er ängstlich weiter, bevor er die aufkommende Panik wieder einzudämmen versucht:
«Ich lege besser einige dicke Äste mehr ins Feuer».
Augenblicklich schlagen die Flammen hoch und erhellen geisterhaft die Bäume. Raphael zieht eingeschüchtert die Schuhe aus, schlüpft in den Schlafsack und zieht den Reissverschluss hoch, bis nur noch die Nasenspitze herausschaut. Das lodernde Feuer lässt die Schatten tanzen wie verrückt. Wild gewordene Hexen springen von Baum zu Baum und erzählen sich die gruseligsten Geschichten von kleinen Jungen, die allein im Wald Angst und Hunger haben, nicht nach Hause dürfen und verhungern. Oder erfrieren. Oder beides.

Ein Räuspern weckt Raphael bei Tagesanbruch. Schlaftrunken blickt er auf und sieht seinen Vater wortlos vor sich. Der Junge schält sich aus dem Schlafsack, steigt in die eiskalten Schuhe und stellt sich vor seinen Vater. Dieser macht zwei Schritte auf ihn zu und umarmt ihn voller Liebe:
«Ich bin so stolz auf Dich, Du Schnappesel», flüstert er seinem Sohn zu.
Raphael löst sich aus der Umarmung und fragt seinen Vater ungläubig: «Was ist mit Tobias?»
«Gar nichts. Er ist nicht zur Prüfung angetreten,» sagt der Vater, ehe er schelmisch lachend anfügt:
«Es gibt gar keine Schnappesel-Aufnahmeprüfung.»

«Aber...?» Tausend Fragen schiessen Raphael durch den Kopf.
Wütend fragt er zurück: «Dann war meine Nacht hier umsonst?»

Sein Vater blickt ihn stolz an und antwortet mit leicht glasigen Augen:
«Überhaupt nicht. Du hast heute bewiesen, dass du über deinen Schatten springen kannst.
Und dass Du Dinge machst, die sich noch nicht einmal Tobias traut.»

 

Damit dreht er sich weg, geht einige Schritte und bedeutet seinem verdutzten Sohn mit einer Armbewegung, mitzukommen: «Und nach dieser Nacht am Mondmilchgubel hast Du sicher auch genug Mut, Melanie ins Kino einzuladen.»

 

A.S.


Einsendeschluss: Sonntag 6. Januar 2019 Mitternacht.

Max. 5000 Zeichen (mit Leerzeichen). 

Datei: wenn möglich Word


 

                                             Sende Deinen Text an: impu@bluewin.ch, Betreff: Online

 

                                             Ich freue mich schon sehr auf Deine Geschichte!

                                             Viel Spass beim Schreiben!  :-)

 


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